Rhein-Maas Berufskolleg: Schulpfarrer Roland Kühne verabschiedet sich nach fast drei Jahrzehnten in den Ruhestand

Roland Kühne in London

Nach fast drei Jahrzehnten engagierter Arbeit am Rhein-Maas Berufskolleg verabschiedet sich Schulpfarrer Roland Kühne mit dem Ende des Schuljahres in den Ruhestand. Seit 1997 hat er das Schulleben entscheidend mitgeprägt – als Seelsorger, Religionslehrer, Gesprächspartner und Initiator zahlreicher Projekte, die weit über den Unterricht hinaus Wirkung entfaltet haben.

Für Roland Kühne war Schule immer mehr als die Vermittlung von Wissen. Sein besonderes Anliegen war es, junge Menschen darin zu stärken, Verantwortung zu übernehmen, demokratische Werte zu leben und die Würde jedes Menschen zu achten. Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und internationale Solidarität bildeten deshalb zentrale Schwerpunkte seiner Arbeit. „Roland Kühne hat unsere Schule über viele Jahre hinweg in besonderer Weise geprägt. Er hat Schülerinnen und Schüler nicht nur begleitet, sondern ihnen immer wieder gezeigt, dass sie selbst etwas bewegen können. Seine Projekte verbinden Bildung mit Verantwortung und machen deutlich, dass Schule ein Ort gelebter Menschlichkeit ist“, sagt Schulleiterin Petra Wiese.

Ein herausragendes Beispiel für dieses Engagement ist die Beschäftigung mit den Menschenrechten am Rhein-Maas Berufskolleg. Seit dem Jahr 2010 setzten sich Schülerinnen und Schüler unter der Begleitung von Roland Kühne intensiv mit dem Schicksal des chinesischen Bürgerrechtlers und Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo auseinander. Nach der Verleihung des Friedensnobelpreises an Liu Xiaobo im Jahr 2010, den dieser wegen seiner Inhaftierung nicht persönlich entgegennehmen konnte, entwickelten Schülerinnen und Schüler Aktionen für Meinungsfreiheit und Menschenrechte. Sie demonstrierten unter anderem vor der chinesischen Botschaft in Berlin, machten mit öffentlichen Aktionen auf die Situation Liu Xiaobos aufmerksam und setzten sich mit der Bedeutung demokratischer Grundrechte auseinander.

Dabei ging es Roland Kühne immer darum, Menschenrechte nicht nur als Unterrichtsthema zu behandeln, sondern sie erfahrbar zu machen: „Junge Menschen müssen erleben, dass Freiheit, Menschenwürde und Demokratie keine Selbstverständlichkeiten sind. Menschenrechte beginnen nicht irgendwo auf der Welt – sie beginnen mit unserem eigenen Handeln vor Ort.“

Ein weiterer Schwerpunkt seines Wirkens ist das Projekt „Schüler bauen für Haiti“. Nach dem schweren Erdbeben in Haiti am 12. Januar 2010 entstand im Religionsunterricht einer Maurerklasse des Rhein-Maas Berufskollegs die Idee, konkrete Hilfe zu leisten. Aus dem spontanen Gedanken „Wir sind doch Maurer, wir können Häuser bauen!“ entwickelte sich ein außergewöhnliches Schulprojekt.

Seitdem engagieren sich Schülerinnen und Schüler des Rhein-Maas Berufskollegs gemeinsam mit Partnern in Haiti für bessere Lebensbedingungen und Bildungschancen. Im Süden Haitis, insbesondere in Torbeck, entstanden Projekte, bei denen nicht nur

Gebäude errichtet wurden, sondern auch Begegnungen zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen möglich wurden.

Das Besondere an „Schüler bauen für Haiti“ ist die Verbindung von beruflicher Bildung und sozialer Verantwortung: Junge Menschen setzen ihre fachlichen Fähigkeiten ein, lernen internationale Zusammenhänge kennen und erfahren, dass Solidarität konkret werden kann.

Auch mit Beginn seines Ruhestands wird Roland Kühne diesem Engagement verbunden bleiben. Besonders die Projekte für Menschenrechte und „Schüler bauen für Haiti“ wird er weiterhin unterstützen und begleiten. „Ich gehe zwar in den Ruhestand, aber die Anliegen, die mich in meiner Arbeit begleitet haben, bleiben: die Achtung der Menschenwürde, die Unterstützung von Menschen in schwierigen Lebenssituationen und die Ermutigung junger Menschen, Verantwortung zu übernehmen“, so Roland Kühne.

Die Schulgemeinschaft des Rhein-Maas Berufskollegs dankt Roland Kühne für seinen jahrzehntelangen Einsatz seit 1997. Er hat Generationen von Schülerinnen und Schülern begleitet, ihnen Orientierung gegeben und gezeigt, dass Bildung immer auch bedeutet, Haltung zu entwickeln und Verantwortung zu übernehmen.

„Wir verabschieden Roland Kühne nicht einfach in den Ruhestand – wir verabschieden einen Menschen, der unsere Schule über Jahrzehnte geprägt hat. Seine Spuren finden sich in den vielen Begegnungen mit Schülerinnen und Schülern, in den Projekten für Menschenrechte und in seinem unermüdlichen Einsatz für ‚Schüler bauen für Haiti‘. Wir sind dankbar für alles, was er unserer Schule gegeben hat, und freuen uns, dass sein Engagement für Menschlichkeit und Solidarität weiterlebt“, sagt Schulleiterin Petra Wiese.

Foto (RMBK):