Das Trainingsraum – Konzept

1. Vorbemerkungen

Das Rhein-Maas Berufskolleg hat sich, neben anderen, folgende Leitziele gesetzt:

-          Alle Personen am Rhein-Maas Berufskolleg gehen mit Respekt und Achtung miteinander um.

-          Der „gute Unterricht“ ist das vorrangige Interesse aller Beteiligten.

Erwiesen ist mittlerweile die Illusion, zu glauben, Lehrer seien für das Verhalten ihrer Schüler alleine verantwortlich oder könnten dieses mit Druck verändern. Jeder Lehrer/Lehrerin und jeder Schüler/Schülerin trägt Verantwortung nur für sein/ihr eigenes Tun.

Damit ergeben sich unverhandelbare Grundregeln, die in jedem Klassenraum aushängen sollten:

-          Jede Schülerin und jeder Schüler hat das Recht auf einen guten Unterricht und die Pflicht, diesen störungsfrei zu ermöglichen.

-          Jede Lehrerin und jeder Lehrer hat das Recht auf einen ungestörten Unterricht und die Pflicht, diesen gut zu gestalten.

-          Lehrerinnen und Lehrer und Schülerinnen und Schüler gehen respektvoll miteinander um.

Um dies gewährleisten zu können, ist es sinnvoll und hilfreich, als Klassenlehrer/Klassenlehrerin gemeinsam mit den Klassen verbindliche Regeln im Umgang miteinander zu erarbeiten und im Klassenraum, für jedermann sichtbar, auszuhängen.

Beispiele für mögliche Regeln innerhalb einer Klasse (beliebig erweiterbar, veränderbar):

-          ich höre zu, wenn andere sprechen

-          ich melde mich und warte, bis ich aufgerufen werde

-          ich achte das Eigentum anderer

-          ich spreche und verhalte mich höflich

-          ich gehe rücksichtsvoll mit anderen um

-          ich befolge die Anweisungen meiner Lehrerinnen und Lehrer

-          ich passe im Unterricht auf und beteilige mich, etc.

2. Überweisung in den Trainingsraum

Stört ein Schüler/Schülerin massiv und hält sich trotz Aufforderung nicht an die festgelegten Regeln, wird er/sie nach einer „ausdrücklichen“ Ermahnung vor die Entscheidung gestellt, sich entweder wieder an die Klassenregeln zu halten oder bei der nächsten Störung in den Trainingsraum zu gehen.

Eine ausdrückliche Ermahnung könnte lauten: „Ich ermahne Dich ausdrücklich. Möchtest Du in den Trainingsraum gehen oder in der Klasse bleiben?“ Bestehen Sie darauf, dass der Schüler eine eindeutige, unmissverständliche Antwort auf diese Frage gibt.

Entscheidet sich ein Schüler/Schülerin durch eine weitere Störung in den Trainingsraum zu gehen, füllt die Lehrkraft in der Klasse einen „Trainingsraum-Begleitbogen“ aus, in dem kurz beschrieben wird, worin die Störung bestand und fordert den Schüler/Schülerin auf in den Trainingsraum zu gehen.

Der Trainingsraum kommt also erst zur Anwendung, wenn viele andere Möglichkeiten nicht gegriffen haben. Im Trainingsraum haben auffällige Schüler dann die Möglichkeit über ihr Verhalten unter Anleitung einer neutralen und geschulten Betreuungsperson zu reflektieren und alternative Verhaltensweisen zu erarbeiten.

Störungen werden also sofort aufgegriffen,  jedoch in einem anderen Rahmen bearbeitet.

Ziele des Trainingsraum-Programms:

-          Klare Strukturen für Lehrer und Schüler beim Reagieren auf Störungen

-          Effektivere und stressfreiere Unterrichtszeit, da ständige (oft erfolglose) Ermahnungen unterbleiben und die Konfliktbewältigung zwischen Lehrenden und Lernenden in den Trainingsraum verlagert wird

-          Lernbereite Schüler können ungestört lernen und werden somit vor anhaltenden Unterrichtsstörungen anderer Schüler geschützt

-          Atmosphäre in der Klasse entspannt sich, auch ruhigere Schüler kommen jetzt zum Zug

-          Schüler mit problematischem Verhalten erfahren Unterstützung statt Strafe und haben die Möglichkeit im Trainingsraum über ihr Verhalten zu reflektieren

-          Eine neue Zuwendung zu „Problemschülern“ wird möglich.

3. Der Trainingsraum

Eine Betreuungskraft (Psychologin, geschulte Lehrkräfte) leitet den Schüler/Schülerin an, sein/ihr Störverhalten möglichst genau zu beschreiben und dessen Folgen auf die Lehrkraft und Mitschüler zu benennen,  mögliche Ursachen der Störung zu erarbeiten und Verhaltensalternativen zu formulieren.

Durch Fragen und Gesprächsimpulse soll dem Schüler/Schülerin geholfen werden, sein/ihr künftiges Verhalten positiv zu formulieren und möglichst konkret zu beschreiben, so dass die Veränderung des Verhaltens überprüf- und kontrollierbar ist.

Es wäre sinnvoll mit Ihrer Klasse den Trainingsraum  vor Beginn des Programms zu „besichtigen“ und zu erklären, was dort geschieht:

Fragen im Trainingsraum können u. a. sein:

-          Warum bist Du/sind Sie im Trainingsraum?

-          Wie ist es dazu gekommen?

-          Gegen welche Regel in der Klasse hast Du/haben Sie verstoßen?

-          Welche Folgen hatte Dein/Ihr Verhalten für Dich/Sie und andere?

-          Willst Du/Wollen Sie, dass dies passiert?

-          Was hättest Du/hätten Sie anders machen können?

-          Wie kannst Du/können Sie konkret in dieser Situation beim nächsten Mal reagieren?

Im Trainingsraum wird darauf geachtet, dass der Schüler sein eigenes Verhalten nicht mit dem Handeln eines anderen rechtfertigt. Nur das, was der Eigenkontrolle des Schülers/Schülerin unterliegt, ist im Trainingsraum zu bearbeiten.

Alle relevanten Überlegungen und Absprachen werden vom Schüler/Schülerin in einem „Rückkehrplan“ schriftlich festgehalten und vom Trainingsraumbetreuer eingesehen. Wenn die Absprachen akzeptabel sind, kann der Schüler seine Klasse wieder aufsuchen. Bei der Rückkehr in die Klasse legt der Schüler den Begleitplan dem Lehrenden vor und setzt sich ruhig auf seinen Platz. Zu einem möglichst frühen geeigneten Zeitpunkt wird über die „Rückkehrplanung“ gesprochen.

Die schriftliche Niederlegung hilft in der Regel allen Unterrichtenden und kann als Grundlage für ein Beratungsgespräch mit den Erziehungsberechtigten oder einer Konferenz dienen.

Selbstverständlich besteht für den Schüler/Schülerin die Verpflichtung, versäumten Unterrichtsstoff nachzuholen. Eine Klassenarbeit  geht dem Trainingsraum-Besuch vor.

4. Konsequenzen/Sanktionen

Weigert sich ein Schüler/Schülerin den Trainingsraum aufzusuchen oder stört auch dort, wird er/sie (sofern möglich) sofort nach Hause oder in den Betrieb geschickt. In diesem Fall werden die Erziehungsberechtigten/Betriebe sofort telefonisch benachrichtigt.

Sehr zeitnah ist dann ein Hilfegespräch zwischen Schüler/Schülerin, Erziehungsberechtigten/Betrieben und Schulleitung/Beratungslehrern anzustreben. Bevor dieses Gespräch nicht stattgefunden hat, kehrt der Schüler/Schülerin nicht wieder in den Unterricht zurück.

Nach dem 3. Besuch im Trainingsraum innerhalb eines Schuljahres werden die Erziehungsberechtigten hierüber schriftlich benachrichtigt. Außerdem ist im Einzelfall zu entscheiden, ob eine Teilkonferenz einberufen werden muss.

Über einen sozialen/allgemeinen Dienst (z.B. beim Hausmeister) oder individuelle Vorgehensweisen (z.B. Trainingsraum-Intensivkurs) kann dann gemeinsam nachgedacht werden

5. Betreuungskräfte:

Alle Betreuungskräfte werden intern speziell für die Arbeit im Trainingsraum vorbereitet und geschult. Sie treffen sich regelmäßig zu einem fachlichen Austausch.

Wir betrachten den Trainingsraum als Unterstützung und Hilfe für die Lehrkräfte, die Klassenatmosphäre und die eigenen Arbeitsbedingungen zu verbessern und wir hoffen, dass diese Unterstützung als solche angenommen wird.

6. Besetzung des Trainingsraumes (TR)

Über die jeweilige Besetzung des Trainingsraumes wird per Aushang in den Lehrerzimmern und an der Zugangstür informiert.

Chronologische Abfolge des Trainingsraum-Konzeptes auf einen Blick:

  • Bei massiver Störung des Unterrichtsflusses wird eine ausdrückliche Ermahnung ausgesprochen. Wenn der Schüler/Schülerin nicht einlenkt, wird er/sie gebeten, in den TR zu gehen
  • Die Lehrkraft füllt den Trainingsraum-Begleitbogen für den TR aus und gibt ihn dem Schüler/Schülerin mit. Vorgang im Klassenbuch protokollieren.
  • Schüler/Schülerin geht in den TR und gibt den Begleitbogen dort ab
  • Ausarbeitung des Rückkehrplanes durch Schüler/Schülerin mit Hilfe der Trainingsraum-Betreuung
  • Schüler/Schülerin bespricht Rückkehrplan mit der Betreuung im TR, wenn er/sie dort an der Reihe ist
  • Ggf. erneute Überarbeitung (Verbesserung) des Rückkehrplanes durch den Schüler/Schülerin
  • Wenn die Kriterien für eine Rückkehr erfüllt sind, geht der Schüler/Schülerin wieder in die Klasse
  • Die Rückkehr des Schülers/Schülerin erfolgt störungsfrei, stört er/sie dennoch folgt sofort, ohne erneute Ermahnung eine weitere Bearbeitung im TR
  • Besprechung des Rückkehrplanes erfolgt zum frühest möglichen Zeitpunkt
  • Prüfung des RKP immer nur durch die Lehrkraft, bei der die Störung erfolgte, die zum Besuch des Trainingsraumes führte
  • Bei Annnahme: Bestätigung der Akzeptanz durch die Lehrkraft auf dem Rückkehrplan
  • Bei Ablehnung: Verbesserung des RKP im TR (Vermerk auf Rückkehrplan)

Abkürzungen:

TR:

für Trainingsraum

RKP:

für Rückkehrplan

Verantwortliche
Schulleiterin

Terbeck 

Elke Terbeck
Tel.: 02152 1467 -0
E-mail: schulleitung@rmbk.de

 

stellv. Schulleiter

Laga3

Uwe Lagac
Tel.: 02152 1467 -0
E-mail: schulleitung@rmbk.de

 
 
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